Seit ungefähr zehn Jahren, in denen ich im Marketing und Vertrieb arbeite, ist mir aufgefallen, dass es in diesen Bereichen immer eine Vielzahl von Menschen gibt, die ihre Meinung zu Ihrer Arbeit kundtun. Lustig ist das schon: Ich kann mir nicht vorstellen, ins Konstruktionsbüro zu gehen und einem Ingenieur zu erklären, dass man eine Schraube mit 13 statt 11 an genau diese Stelle setzen muss. Er hat wahrscheinlich Berechnungen angestellt, um seine Wahl zu treffen, er ist einer Logik und einem Vorgehen gefolgt, die ich nicht kenne. Der Unterschied ist: Im Marketing – insbesondere – hat jeder den Eindruck, dass wir Strategien oder Positionierungen aus dem Ärmel schütteln und dass man sich dazu im nächsten Moment an der Bar noch unterhalten kann. Dafür gibt es einen Grund: Wir sind alle Konsumenten, und wir betrachten uns folglich alle ein bisschen als Spezialisten der Konsumwelt.
In der Welt des Internets ist es noch schlimmer: Wir sind alle Internetnutzer, und das Internet gehört zu unserem Leben, um Musik zu hören, unsere Konten zu verwalten, einzukaufen … Über Internet zu sprechen heißt ein wenig, in die Privatsphäre der Menschen einzudringen. Und dazu kommt, dass immer mehr Leute anfangen, ihre Facebook-Seite zu erstellen, Blogs zu pflegen und persönliche Websites online zu stellen. Die Tipps und Tricks des kleinen SEO-Referenzierers machen die Runde in den Foren: Man bastelt herum, testet, hat Spaß.
Wenn dann der Moment kommt, professionell zu arbeiten, um eine Strategie rund um eine Website aufzubauen, wird es schwierig. Angesichts einer Methode, eines auf Inhalte und Nutzer ausgerichteten Ansatzes, der Suche nach den am besten passenden Kanälen, erhält man die Ratschläge von Freunden und Bekannten des Kunden, die Ihnen in einem geradezu professoralen Ton erklären:
„Ihre Website ist schlecht gerankt, weil wir bei der Anfrage „bidule“ nicht auf der ersten Seite von Google sind“ (welch glänzender Befund …)
„Damit das so ist, müssen die folgenden Schlüsselwörter in den Quellcode der Seite usw. eingefügt werden“ (da kommt man also darauf, es gibt folglich einen magischen Trick, um für alle Nummer 1 bei Google zu sein …)
Sie fordern die Leute auf, für die Website bei Wikio abzustimmen?
„Dieses Vorgehen erscheint mir ein wenig empirisch“ (stimmt ja, wir machen das auch nur für rund fünfzig Unternehmen).
All das natürlich auf Empfehlung von Michel, Spezialist für Metzgerei/Feinkost (Boucherie-Charcuterie):
„Jojo, du kennst dich da ja richtig gut aus: Könntest du Christelle nicht ein paar Ratschläge geben, ihre Website ist schlecht gerankt“.
Und ich rede den Kunden unermüdlich ein, dass es bei einer gut gerankten Website um qualitativ hochwertigen Content, qualitativ hochwertige Backlinks, qualitativ hochwertige interne Verlinkungen, eine gute Informationsarchitektur … und vor allem um Zeit geht. Wen wollen Sie glauben lassen, dass sie das hören wollen?