Ich habe zu Weihnachten ein Buch über neue unternehmerische Praktiken bekommen. Ich würde nicht die Autoren nennen, damit ich sie nicht aus der legitimen Anonymität herausziehe, in der sie sich befinden. Noch ein paar Lehrer, die über das Unternehmen, den Unternehmergeist, die Unternehmer theoretisieren – ohne jemals einen kleinen Finger ins Business gesteckt zu haben.
Unter den großen Entdeckungen dieses unvergesslichen Werks erfährt man querbeet, dass sich das „Basteln“ im Unternehmen entwickelt (5 Seiten dazu, bravo), dass alle Unternehmer eine individuelle Begleitung brauchen (wer mit den IHKs arbeitet, weiß, wie effektiv das ist …) und dass – als Höhepunkt einer überragenden Denkweise – Internet und das „Web 2.0“ (wieder einmal) die Welt des Unternehmens verändern werden.
Zusätzlich dazu, dass man bereits offen zugängliche Türen einschlägt, ist dieses Buch längst überholt. Schon bei den drei oben genannten Themen begnügt es sich, dem Zug vorbeizusehen. Ich lasse die peinlichen Abschweifungen zum Thema „Basteln“ beiseite und konzentriere mich auf zwei Punkte, die mir wesentlich erscheinen :
Die Begleitung
Als ich 2006 mein erstes Unternehmen gegründet habe, habe ich herausgefunden, dass viele öffentliche Einrichtungen mir helfen wollten. Letztlich hat mir jedoch nur eine einzige (private) Organisation ermöglicht, das Projekt bis zum Ende durchzuziehen, und sie ist damit über den bloßen Zustand von „Methodenrede“ hinausgegangen: Réseau Entreprendre. Suchen wir nicht nach verrückten Theorien darüber, warum diese Wirksamkeit so groß ist: Hier wird man von Unternehmern begleitet, man prüft Menschen und Projekte an den Bedingungen der Praxis, und am Ende geht es ums Geld (Réseau Entreprendre vergibt zinslose Darlehen, hier ist ihre Website). Das Business braucht Geld, um sich zu entwickeln. Kohle, Mittel, Pech.
Veränderungen durch das Web
„Die Internetnutzer sind jetzt Akteure im Web“, „wir sind im Zeitalter des Konsumaktors“… mein Gott, in dieser Festzeit schützen Sie uns doch vor all diesen hohlen und unfruchtbaren Gedanken.
Mein kleiner Finger sagt mir, dass die wahre Revolution woanders passiert: Jenseits all der großen Worte, die beim Bullshit-Bingo besonders dick auftragen, ist das Web einfach dabei, eine Barriere nach der anderen einzureißen, die unsere kommerziellen Gesellschaften geprägt hat: Die Produzenten haben nun Zugang zu den Konsumenten. Und das kann alles verändern. Dazu kann man sicherlich ein (gutes) Buch schreiben.